moved. BEWEGT. déplacé. (K)ein Spaziergang in Schwarzweiß

Hannah Schassner & Mirrianne Mahn
(theaterperipherie)

Absage aller weiteren Vorstellungen

Statement der Künstler*innen:
Wir haben uns entschieden die Vorstellungen der Performance »moved. BEWEGT. déplacé (k)ein Spaziergang in Schwarzweiß« abzusagen. Unsere Performance sollte sich mit einem anderen Blickwinkel auf Bewegung im öffentlichen Raum beschäftigen. In unserem Probenprozess mussten wir mit verschiedenen Herausforderungen und Angriffen klarkommen. Unser Schauspieler wurden von Passanten angepöbelt oder zurechtgewiesen, mehrmals rassistisch angegangen. Wir können kein antirassistisches Stück spielen, wenn unsere Teammitglieder noch mitten im Prozess des Verarbeitens eines rassistischen Angriffs sind.
Am Dienstag haben zwei Weiße Männer drei Schwarze Menschen von unserem Team, während einer Probe auf der Frankenallee angespuckt. Wir haben überlegt, wie wir mit der Situation umgehen sollen.
Uns wurde bei diesem Probenprozess bewusst, dass Kunst im öffentlichen Raum nicht für alle gleichermaßen stattfinden kann und dass der Rassismus, den Schwarze Menschen und People of Color erleben, es uns nicht ermöglicht, in der Form, in der wir es uns wünschen an diesem Festival teilzunehmen.

 moved. BEWEGT. déplacé. (k)ein Spaziergang in Schwarzweiß

Sie finden einige Gedanken der Festivalkoordination zum rassistischen Übergriff auf die an der Produktion beteiligten Personen hier zum Download:

Du,
warum schaust du mich so an?

Du,
was denkst du?

Du,
komm mal näher!

Du,
denkst du, was ich denke, dass du denkst?

Du,
das ist zu nah!

Du,
was ist das?

Du,
ich helfe dir.

Du,
wo bist du?

Ich bin hier.

»moved. Bewegt. Déplacé« ist »(k)ein Spaziergang in Schwarzweiß«. Denn wir spazieren zwar, aber darum geht es nicht. Wir untersuchen die (coronabedingten) Regeln der Bewegung im öffentlichen Raum, achten dabei auf Hinweise für Privilegien und grundsätzliche Machtstrukturen von Bewegung in Gesellschaft. Wir fragen nach vorauseilenden Ängsten, die unsere Bewegung und unser Auftreten in der Öffentlichkeit beeinflussen und versuchen, diese zu überwinden, indem wir uns den Raum nehmen, sie im Regen stehen zu lassen oder ihnen hinterherzujagen. »moved. Bewegt. Déplacé« ist »(k)ein Spaziergang in Schwarzweiß« und eine antirassistische Performance über das Bewegtsein und Bewegtwerden.

Termine:

21.08. 19.00 & 21.00
22.08. 19.00 & 21.00
23.08. 19.00

Günderrodeschule, Frankfurt

Rollstuhlgängig

Mahn und Schassner arbeiten nach dem Prinzip der Theater-Allies an gesellschaftspolitischen Themen und entwickeln Stücke, die sich mit Alltagsrassismus und Schwarzem Leben in einer weißen Mehrheitsgesellschaft beschäftigen. Mit ihrer letzten Produktion »Issa versus Illegal« waren sie zu den Hessischen Theatertagen 2019 eingeladen. Das Team Cromme / Hasche / Mahn / Schassner / Zehaf arbeitet zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammen.

mit: Benjamin Cromme & Léa Zehaf
Regie: Mirrianne Mahn & Hannah Schassner
Dramaturgie: Antigone Akgün
Kostüm: Anna Hasche
Projektdokumentation: Latisha Mahn
Fotos: Christian Schuller

Eine Koproduktion von IMPLANTIEREN2020 und theaterperipherie. Dieses Projekt ist Teil der »Partnerschaft für Demokratie Frankfurt am Main«. Die Partnerschaft für Demokratie Frankfurt am Main wird durch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und der Bildungsstätte Anne Frank –Zentrum für politische Bildung und Beratung Hessen getragen. Sie wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben! –Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit« sowie durch das Landesprogramm »Hessen. Aktiv für Demokratie und gegen Extremismus« des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport.