Takdir. Die Anerkennung

Ülkü Süngün

In dieser partizipativen Performance bringt die Künstlerin Ülkü Süngün interessierten Passant*innen in einer Eins-zu-eins-Situation die korrekte Aussprache der Namen der zehn Mordopfer des NSU bei. Nach einem Lauttraining für die türkische Aussprache von Buchstaben wie „r“ „z“, „ı“, „ç“ als Vorübung, werden die einzelnen Namen der Opfer zunächst von der Künstlerin vorgesprochen, dann von den Teilnehmer*innen nachgesprochen, individuell korrigiert und gemeinsam, über Lautsprecher verstärkt, vorgetragen. Im Akt des repetitiven Aussprechens der zehn Namen – im Chor der Teilnehmenden – klingen Erinnerung und Anerkennung nach. Es ist der Versuch, ein temporäres Denkmal an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter entstehen zu lassen und ihr Andenken aufrecht zu erhalten. Das Projekt versteht sich als kritische Reflexion über Praktiken der Erinnerungskultur im öffentlichen Raum im Zusammenhang mit den NSU-Morden. Wer bekommt Denkmäler und wer nicht? Wie kann Erinnerung öffentlich stattfinden, wenn sie nicht in Form von Monumenten den öffentlichen Raum einnimmt? Und wie ereignet sich das individuelle und kollektive Erinnern in der Sprache?

Die Performance entsteht aus einem aktivistischen Kontext heraus. In Rahmenveranstaltungen wird in Kooperationen der Künstlerin mit lokalen Initiativen, immer wieder ein Bezug zum jeweiligen Ort hergestellt.

Termine:

22.08. 18.00 Vorplatz des Historischen Museums Frankfurt
23.08. 18.00 Vorplatz des Historischen Museums Frankfurt

Rollstuhlgängig

Podiumsdiskussion & Workshop:

22.08. 10.00–13.00 in den Räumen des AmkA (Mainzer Landstraße 293, Frankfurt)

Im Vorfeld der Aufführungen findet am 22.08.2020 in den Räumen des AmkA von 10.00 – 13.00 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema Erinnerungspolitik mit Gästen verschiedener lokaler Initiativen statt. In der Podiumsdiskussion geht es um Gedenken und Erinnerungsarbeit zu Opfern rechter Gewalt. Formen der Solidarität und des Empowerments stehen im Vordergrund. Was sind gemeinschaftliche Formen des Erinnerns, die die Bedürfnisse der Opfer und Hinterbliebenen achten und ihre Forderungen stärken? In einem Workshop werden zudem Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozesse aus der Perspektive von rassifizierten Menschen hinterfragt und analysiert sowie Möglichkeiten der Gegenwehr durch Initiativen und Kampagnen am Beispiel des Frankfurter Gallus sowie des Bahnhofsviertels diskutiert und als Praktiken einer solidarischen Stadtgesellschaft vorgestellt.

Wir bitten für diese Veranstaltung im Vorfeld um eine kurze formlose Anmeldung unter Nennung des Namens sowie einer Kontaktadresse an: implantieren@idfrankfurt.com.
Rollstuhlgängig

Konzept und Performance: Ülkü Süngün

Ülkü Süngün studierte Bildhauerei in Stuttgart. In unterschiedlichen Medien wie Fotografie, Video,  Installation  und Lecture Performances setzt sie sich kritisch mit den Themen Migration, Identitäts- und Erinnerungspolitiken auseinander. Zur Zeit ist sie mit dem von ihr gegründeten Institut für Künstlerische Migrationsforschung (IKMF)  im Künstlerhaus Stuttgart Atelierstipendiatin.
Zuletzt  war sie im zeitraumexit (Mannheim) mit GEMEINGUT JUNGBUSCH, ihrem künstlerischen Forschungs- und Ausstellungsprojekt zu den Zusammenhängen von Migration, Kunsteinrichtungen und Gentrifizierung zu sehen.

Die Arbeit wird vom Stadtlabor des Historischen Museum Frankfurt unterstützt.